Karibiktraum mit der MS Insignia. Von Miami nach Puerto Rico, Teil 2

Teil 2: Inseln der Träume

Fortsetzung des Berichtes „Insignia, Du Schöne!“

Die Ankunft der INSIGNIA in St. Maarten ist für den kommenden Mittag geplant. Bereits am Vormittag kündigen erste Boten das nahe Land an: Eine Gruppe Basstölpel. Elegant segeln die Vögel im Windschatten des Schiffes und tauchen ab und an im Sturzflug nach Beute.

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Im Hafen von Philipsburg, der Hauptstadt der Insel St. Maarten, die je zur Hälfte zu den Niederlanden und zu Frankreich gehört, macht die INSIGNIA neben einer großen Nachbarin fest, die unser Schiff um mehrere Decks überragt: Die VENTURA von P&O Cruises mit rund 3.000 Passagieren. Partymusik und laute Animation dringt vom Pool-Deck: „Yeah, put your hands up in the air!…“. Also Kopf in den Nacken gelegt und zu dem Riesen-Kahn aufgeschaut. Fröhlich winken die P&O-Reisenden uns zu. Wir winken brav zurück. In dem Schmunzeln meiner Mitreisenden meine ich unbändige Freude und Erleichterung zu lesen – welches Glück wir doch haben, auf unserem kleine und feinen und vor allem animations-freien Schiffchen zu sein.

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Ein Wassertaxi bringt mich von der Pier zum Great Bay Beach, direkt an der Strandpromenade des quirligen bunten Städtchens. Ich beobachte die Schnäppchenjäger, die in dem meilenlangen Einkaufsviertel in Scharen von einem Duty-Free-Geschäft zum nächsten eilen, immer auf der Jagd nach einem besonders günstigen Angebot. Da mir eher nach Ruhe und Beschaulichkeit zumute ist, fahre ich per Taxi in 15 Minuten zum Dawn Beach im Osten der Insel, den ich abgesehen von ein paar Gästen des angrenzenden Westin Hotels weitgehend menschenleer vorfinde und erholsame Stunden mit viel Sonne und erfrischenden Bädern im Atlantik verbringe.

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Am nächsten Morgen ankert die INSIGNIA vor der Küste St. Barths. Die Insel, die zu den französischen Überseegebieten gehört, gilt als beliebter Urlaubsort für Super-Reiche, die mit Vorliebe im legendären Eden Roc Hotel oder im Nikki Beach Club chillen und Champagner aus Magnumflaschen schlürfen. Per Tenderboot geht’s zum Hafen von Gustavia, der Hauptstadt von St. Barths, die ihren Namen 1785 zu Ehren des damals amtierenden schwedischen Königs Gustav III. erhielt. Bis 1877 gehörte St. Barths zu Schweden, dann kaufte es Frankreich als Kolonie. Ein kurzer Fußmarsch führt mich die Hafenpromenade entlang, die viele teure Boutiquen säumen. Und ich meine – ja, die Sachen sind wunderschön: Viele flatterleichte Tuniken aus traumhaften Stoffen und Farben, verziert mit Perlen und Stickereien – so schön, das mir schwindelig wird und ich am liebsten alle kaufen wollte. Nur ist leider keins der edlen Teile unter 150,-Euro zu haben – eher für 250,-Euro bis 450,-Euro. Für ein Blüschen! OK, hab’ich mir verkniffen 🙁

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Ein paar Straßen weiter gelange ich zum Shell Beach, einem hübschen Strand, der seinen Namen zu Recht trägt, denn er ist von Millionen Muscheln bedeckt. Es ist noch früh am Morgen und so habe ich den Strand und seine klaren, blau-grünen Fluten eine Weile ganz für mich allein. Traumhaft! Später füllt er sich mit überwiegend französischen Touristen und die wenigen schattigen Plätze zwischen den glatten Steinen werden knapp. Gegen 16:00 Uhr lass‘ ich mich von einem Tenderboot zurück an Bord bringen, denn ich möchte unbedingt rechtzeitig zur Tea-Time im Horizon’s auf Deck 10 sein. Ich finde einen freien Tisch an einem der bodentiefen Panorama-Fenster und habe die Qual der Wahl zwischen herzhaften Canapés und Sandwiches und sündigen Kuchen, Törtchen und warmen Scones mit clotted Cream. Das Leben ist … süß!

Als weitere Ziele stehen Antigua und Barbados auf dem Programm. Beide Inseln kenne ich bereits von früheren Reisen und komme immer wieder gern zurück. In Antigua schlendere ich gemütlich vom Hafen zum Marktplatz, nehme dort einen öffentlichen Bus und fahre Richtung Südwesten zum Turner’s Beach – einem feinsandigen Strand, dessen flaches türkises Wasser zum stundenlangen Planschen und Schwimmen einlädt. Die Busfahrt kostet gerade mal 2,- Dollar pro Strecke.Ein sehr günstiger Ausflug also 🙂 Im Turners Beach Restaurant gibt es fruchtig-starken Rum-Punsch und leckere kreolische Gerichte. Ein Tag hier ist so wunderbar entspannt – es verirren sich auch kaum Touristen hierher und es ist immer jede Menge freier Platz am Strand – selbst wenn am Nachmittag ein Ausflugs-Katamaran einige Passagiere vom Schiff ablädt für ein paar Sonnen-Bade-Stunden.

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Barbados möchte ich dieses Mal vom Wasser aus erkunden und buche über Oceania eine halbtägige Katamaran-Tour. Mit der SPIRIT OF BARBADOS geht es unter vollen Segeln die Westküste entlang. Mehrere Schnorchel- und Bade-Stopps werden eingelegt und selbst die kurzen Regenschauer, die hier liebevoll „Liquid Sunshine” genannt werden, können die fröhliche Stimmung nicht trüben, die zu grooviger Reggae-Musik ein ganz hohes Level erreicht hat 🙂

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Die nächste Insel, Dominica, ist faszinierendes Neuland für mich. Wild und ursprünglich zeigt sich die Vulkan-Insel, die täglichen Regenschauer verwandeln diese Insel mit über 1.000 Arten an Blütenpflanzen und allein 74 verschiedenen Orchideen  in einen wahren Garten Eden. Gemeinsam mit Renate und Max, einem sympathischen Paar aus Hamburg, das auf der INSIGNIA ein begeistertes Kreuzfahrt-Debüt absolviert, unternehme ich eine Rundreise durch den Morne Trois Pitons National Park, der zum Weltnaturerbe der UNESCO zählt, bis zum Emerald Pool, einem pittoresken Wasserfall mitten im Regenwald. Durch diesen feucht-dampfenden Dschungel zu laufen und dann das klare, kühle Wasser zu spüren, ist einzigartig und gehört zu meinen schönsten Naturerlebnissen.

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Bevor es nach diesem Ausflug zurück an Bord geht, bummeln wir noch ein bisschen durch Roseau und landen schließlich im Ruins Rock Café, einer urigen Bar in einer tatsächlichen Bau-Ruine. Barkeeper James rührt gerade seinen Rumpunsch an und lässt uns probieren. Stark und süffig ist er. Auf einem Holzregal über dem Bartresen steht eine beachtliche Sammlung handbeschrifteter Flaschen. James zwinkert uns verschwörerisch zu, holt eine Flasche vom Regal und füllt drei Shot-Gläser mit dem Inhalt. „Rum mit Vanille“ sagt er, „selbst hergestellt“. Ui, der Rum hat es in sich, ist aber wirklich lecker. Süß und vanillig. In den nächsten zwei Stunden testen wir weitere hausgemachte Varianten wie Rum mit Kaffee, Rum mit Früchten und zwei Sorten mit dem Namen „Sweet Jane“ und „High Rise“. Da verrate ich aber nicht, was drin war 🙂

Ein sehr lustiger Nachmittag. Danke nochmal an James.

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Auf das Dinner freue ich mich heute besonders, denn beim Verlassen des Schiffes am Morgen „erwische” ich den Küchenchef der INSIGNIA, wie er mit kostbarer Fracht vom Fischmarkt am Hafen zurückkehrt: Fangfrischer Thunfisch und Mahi Mahi. Er verrät mir, dass die edlen Meeresbewohner am Abend im Terrace Café à la Minute auf dem Grill zubereitet werden, was ich auf keinen Fall verpassen sollte. Wie Recht er hat: Es wird ein wahrer Augen- und Gaumenschmaus. Auf den Punkt gegrillter Fisch, dazu ein leckeres Relisch mit Tomaten, Zwiebeln,  Limetten und Koriander. Frischer und köstlicher geht es nicht.

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Die Reise geht weiter und jeden Tag steuert die INSIGNIA einen neuen Hafen an: Grenada, die Gewürzinsel mit ihrem intensiven Duft nach Muskat, Ingwer, Nelken und Zimt, gehört schon lange zu meinen absoluten Lieblingsinseln. Ich spaziere den drei Kilometer langen Grand Anse Beach entlang, der als einer der schönsten Strände der Welt gilt und überquere an seinem Ende einen kleinen Hügel, um zum Morne Rouge Beach auf der anderen Seite zu gelangen. Dieser Strand liegt malerisch in einer Bucht. Nur Mittwoch- und Freitagabend ist es hier vorbei mit der Ruhe, denn Einheimische und Touristen feiern im „Fantazia„, der coolen Beach-Club-Bar.

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Weiter geht die Reise nach Martinique. Hier war ich schon mehrmals und liebe die Pointe du Bout, auch St. Tropez der Karibik genannt. In etwa 30 Minuten bringt mich eine Fähre von Fort de France hierher. Mehrere kleine Buchten reihen sich aneinander, die sich bis Mittag schnell füllen mit den Gästen der umliegenden Hotels. Also gehe ich noch ein Stück weiter und finde einen hübschen Strand. Menschenleer. Zumindest fast. Ich teile ihn mit einem Angler. Doch mein Glück am einsamen Strand soll nur eine Stunde währen. Innerhalb von Minuten ziehen sich Wolken zusammen und es gießt in Strömen. Ich flitze zu einem nahegelegenen Hotel und finde Unterschlupf in einer überdachten Strandbar mitten im Wasser, die über einen Steg mit dem Strand verbunden ist. Geschafft. Erstmal raus aus den nassen Klamotten, abtrocknen und auf die Rückkehr der Sonne warten. Und die lässt auch nicht lange auf sich warten.

In St. Kitts freue ich mich auf einen Besuch der South Friar’s Bay und der dazugehörigen urigen Shipwreck-Bar, die ich vor 6 Jahren schon einmal Mal besuchte. Doch bei der Ankunft erlebe ich einen Schock, denn der gesamte Strand wurde vom Meer abgetragen. Nur noch ein ganz schmaler, schmutziger Streifen ist dort geblieben, wo sich einst goldener Sandstrand erstreckte. Doch die Bar steht unverändert. „Well, that’s mother nature”, meinen die Betreiber und lassen sich nicht unterkriegen. Also bleibe ich da und werde prompt belohnt: Ein ausgedehntes Korallenriff hat sich nur wenige Schritte vom Strand gebildet und wird von unzähligen bunten Fischen bevölkert. Einen schöneren Schnorchel-Gang erlebe ich auf der ganzen Reise nicht. Und das Jerk Chicken und der Rum Punsch schmecken so gut wie immer. Einige Dinge bleiben eben zum Glück unverändert.

So sah es dort vor 6 Jahren aus:

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und heute so:

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auch das ist St. Kitts:

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Doch das Beste kommt zum Schluss, denke ich, als der letzte Hafen der Reise l am Horizont auftaucht: Die britischen Jungferninseln. Die INSIGNIA geht in Roadtown, der Hauptstadt Tortolas vor Anker. Eine Fähre bringt mich auf die kleinere Nachbarinsel Virgin Gorda, die zu meinen absoluten Lieblingsinseln zählt. Am Anleger warten schon bunte, zu Taxis umgebaute Trucks, um mich zu einem der wohl schönsten Orte der Welt zu bringen: The Baths. Dieser bezaubernde Strand wird von enormen Granitfelsen gesäumt, die Höhlen und kleine Lagunen zum Meer hin bilden. Der Devil’s Trail führt nach einer kurzen Wanderung über die Steine zur benachbarten Devil’s Bay, die der Schönheit von The Baths in nichts nachsteht. Ich kann nicht genau sagen warum – doch dieser Ort ist irgendwie magisch und der Abschied fällt mir schwer.

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Auch am nächsten Morgen verspüre ich etwas Wehmut, als die INSIGNIA noch vor Sonnenaufgang den Hafen von San Juan ansteuert, denn nun heißt es Abschied nehmen. Von diesem wunderbaren Schiff und einer großartigen Crew. Und von neuen Freunden.

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Etwas Bleibendes nehme ich mit: Die Erinnerung an die unzähligen Glücksmomente dieser Reise. Und dieser Gedanke tut gut, als ich nach dem Heimflug wieder fröstelnd am Hamburger Flughafen sitze …

Fotos: (c) Ines Laufer

Oceania Cruises sage ich von Herzen DANKE für die Unterstützung dieser traumhaften Reise.

 

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