Willkommen auf La Digue. Willkommen im Paradies.

Eins steht fest: Wenn es den Begriff „Paradies“ nicht schon gäbe, müsste er für die Beschreibung von La Digue erfunden werden. Denn dieses gerade mal 10 Quadratkilometer kleine Eiland wartet mit einer Schönheit auf, die sich nur schwer in Worte fassen lässt.

So kann ich es kaum erwarten, nach einer Nacht auf Mahé – der größten Insel der Seychellen – die rund anderthalbstündige Überfahrt mit einem Speed-Katamaran von Cat Cocos anzutreten. Die 29 Seemeilen (54 Kilometer) werden mit Zwischenstopp in Praslin absolviert. Zum Glück bin ich als alte „Seebärin“ nicht gerade empfindlich, wenn es mal schaukelt, aber einige Mitreisende sehen doch etwas grün aus um die Nase. Denn obwohl die Wellen nur für einen geschätzten Seegang von 2 oder 3 reichen, rollt und stampft das Boot in alle Richtungen. Daher meine Empfehlung falls Du zu Reiseübelkeit oder Seekrankheit neigst: Lieber vorher ein Pillchen mit Ingwer einwerfen  🙂

Als der Katamaran den kleinen Anleger in La Passe erreicht – der einzigen Ortschaft auf La Digue, in der auch die Mehrheit der ca. 3.000 Einwohner lebt – verschwindet bereits die Sonne hinter den Hügeln der Nachbarinsel Praslin. Da die Seychellen fast am Äquator liegen, geht die Sonne quasi das ganze Jahr über zur gleichen Zeit auf und unter – immer gegen 06:00 Uhr und 18:00 Uhr. Bis vor wenigen Jahren gab es keine Autos auf La Digue, Lasten und Menschen wurden mit dem Ochsenkarren transportiert. Heute fährt neben etlichen Trucks auch eine Handvoll Taxis über die einzige schmale Küstenstraße der Insel, die von La Passe im Westen über die Nordspitze bis zur Anse Fourmis im Osten führt. Eins davon schnappe ich mir. Nur zehn Minuten dauert der Transfer zu meinem Hotel Patatran Village ganz im Norden und kostet den Festpreis von 150  Rupien (ca. 10,-Euro). Herrlich, endlich anzukommen und zehn erholsame Tage vor mir zu haben. Dem Patatran Village werde ich noch einen eigenen Beitrag widmen, doch soviel sei verraten: Es ist ein wunderbares „home away from home“.

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Der Blick vom Balkon meines Zimmers „Koket“ – sie haben nämlich keine Nummern sondern Namen – über die türkisblaue Anse Patate und die Inseln Grande Soeur und Felicité lässt am nächsten Morgen mein Herz vor Freude hüpfen, zumindest langsam. Schnell geht nicht. Dafür ist es zu heiß. 33 Grad im Schatten, schon morgens um 08:00 Uhr, lassen mich alle Bewegungen in Zeitlupe absolvieren – und trotzdem schwitzen wie ein Schw..n. Nachts sinken die Temperaturen auch kaum unter 30 Grad, sodass entgegen meiner normalerweise strikten „No A/C“-Haltung sogar nachts die Klimaanlage für ein paar Stunden läuft.

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Jetzt aber schnell – ähm, natürlich langsam – die Schweißperlen weggetupft und das ultimative La Digue-Fortbewegungsmittel gesattelt: Das Fahrrad. Für 100 Rupien pro Tag (ca. 6,50 Euro) miete ich meins direkt im Hotel. Ein echter Glücksgriff: Nagelneu, 21 Gänge, Nabendynamo und vom hoteleigenen „Schrauber“ Bruno täglich gecheckt. Sein Spitzname – also der vom Fahrrad, nicht von Bruno – wird „Der graue Blitz“. Auf sowas wie „Fahrrad-irgendwo-anschließen“ wird auf La Digue zu meiner Freude übrigens weitgehend verzichtet.

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Mein erster „Ritt“ auf dem grauen Blitz führt mich entlang der Westküste zunächst nach La Passe und von dort aus quer über die Insel zur Grand Anse, einem der schönsten Strände der Welt. Die Straße wurde ursprünglich wirklich nur für Fahrräder konzipiert und ist eigentlich eher eine Betonpiste, auf der es schon mal eng wird, wenn sich zwei Autos aneinander vorbeischieben müssen. Kommt hin und wieder mal vor. Da es noch früh am Morgen ist, habe ich die Straße ganz für mich alleine. Außer dem leisen Surren der Räder, der Brandung und dem melodischen Gezwitscher unzähliger Vögel ist nichts zu hören. Kein Lärm-Smog! Kein Verkehr! Nur die Geräusche der Natur. Eine Wohltat. Ich glaube, es ist unter anderem diese unfassbare Ruhe, die mich sofort und nachhaltig in einen Zustand tiefer Entspannung versetzt und La Digue zu einem echten Paradies macht.

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Auf dem Weg nach La Passe radle ich am nobelsten, teuersten und exklusivsten Hotel der Insel vorbei, der Domaine de L’Orangeraie. Um mein Haupt in einer der schicken, 60 Quadratmeter großen Gartenvillen zu betten, müsste ich 360,-Euro berappen. Pro Nacht. Inklusive Frühstück. OK, das mache ich dann mal, wenn ich im Lotto gewonnen habe 🙂

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In La Passe geht es wie überall auf La Digue gemütlich zu. Nur wenn die Fähren anlegen und z.B. eine Ladung Tagesgäste von Mahé oder Praslin abliefern, wird es rund um den Anleger für kurze Zeit etwas trubelig und wuselig. Ansonsten ist es ein hübsches Örtchen mit mehreren Supermärkten, Boutiquen, Souvenirgeschäften, Restaurants, einem Krankenhaus, einer Schule, einer Kirche, einer Tankstelle, einer Post und einer Polizeistation.

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Um an die Grand Anse zu gelangen, müssen mehrere steile Hügel überwunden werden – es gibt nur einen Weg. Eine echte Herausforderung bei gefühlten 50 Grad. Selbst für den grauen Blitz. Absteigen – wie die meisten, an denen ich vorbeikeuche – kommt für mich dennoch nicht infrage. Das bereue ich jedes Mal, wenn ich schweißgebadet und mit hochrotem Kopf oben ankomme, aber der erfrischende Fahrtwind bei der dann folgenden Abfahrt lässt mich die Strapazen sofort vergessen.

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Die beschwerliche Anfahrt lohnt sich, denn die Grand Anse ist wirklich ein Traumstrand, gesäumt von riesigen Granitfelsen. Weißer Puderzuckersand wird von schäumenden Wellen umspült, das Wasser schimmert in schönstem Blau. Es gibt kein vorgelagertes Riff, sodass die Brecher beachtliche Höhe und Kraft erreichen und sich sogar zum Surfen eignen. Starke Strömungen machen den Badespaß aber nicht ganz ungefährlich. Also dippe ich lediglich ein bisschen die Füße ins Wasser und kühle mich ansonsten „von innen“: Mit einem Kaltgetränk an der charmanten Strandbar aus türkisem Wellblech.

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Stundenlang könnte ich hier sitzen, Beine und Seele baumeln lassen, mich von den tosenden Wellen verzücken lassen und in die glücklichen Gesichter der Menschen um mich herum schauen, die auch nicht anders können als sich der überwältigenden Schönheit dieses besonderen Ortes hinzugeben. Und als ich am späten Nachmittag den grauen Blitz wieder die fiesen Hügel emporjage, freue ich mich schon darauf, morgen wiederzukommen. Denn die kurzen Wege auf La Digue werden es mir erlauben, jeden Tag einen Abstecher hierher zu machen, selbst wenn ich z.B. vormittags die Sonne auf der anderen Seite der Insel genießen möchte.

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Am Ende dieses denkwürdigen ersten Tages auf La Digue schenkt mir die Natur noch einen farbenprächtigen Sonnenuntergang an der Anse Severe, auf dem Weg zurück in mein Hotel im Norden. Und spätestens jetzt wird mir klar: Ja, das IST ein Paradies. Und wenn es den Begriff „Paradies“ nicht schon gäbe, müsste er für dieses Fleckchen Erde erfunden werden…

Fotos: (c) Ines Laufer

 

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