Vom Glück, sich wie eine Südseeprinzessin zu fühlen

Einmal ans Ende der Welt, bitte! lautete das Motto Anfang des Jahres 2018, als eine der schönsten Reisen meines Lebens begann: Zwei Monate Südsee! An Bord der MS Marina/Oceania Cruises, wo ich einen Vertrag als Assistant Purser absolviert habe. Heute endlich finde ich Zeit und Muße, die wunderbaren Eindrücke aufzubereiten, zu teilen und Dich mitzunehmen zu einer Lieblingsinsel im Pazifik: Bora Bora.

Die Anreise nach Bora Bora hat es in sich: Von Hamburg aus geht es zunächst nach Amsterdam und dann mit KLM weiter nach Los Angeles. Die 11 Stunden vergehen im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug, nicht nur weil ich von Vorfreude berauscht bin, sondern weil die Crew einen super Job macht mit tollem Service und netten Plaudereien. Beim Aussteigen überreicht mir eine Flugbegleiterin eine Karte mit lieben Worten und Wünschen und berührt mich sehr mit dieser unerwarteten, herzlichen Geste:

Von Los Angeles sind es noch einmal acht Flugstunden mit Air Tahiti Nui nach Papeete/Tahiti. Puuuh, jetzt sehnen sich meine Beine aber ordentlich nach Bewegung. Das erste, was ich nach der Landung in aller Intensität wahrnehme, ist der betörende süße Duft der unzähligen exotischen Blüten, der die samtig-laue Nachtluft erfüllt. Hmmmm!

Es ist fast Mitternacht, als ich im super-schicken Manava Suite Resort einchecke, das die Reederei für mich gebucht hat. Der freundliche Rezeptionist sieht mir wohl die Strapazen der Reise an, denn er meint, mir würden sicher ein paar Runden im hoteleigenen Infinitypool gut tun. Bester Tipp! Ich habe den Pool für mich alleine, der Mond strahlt vom sternenklaren Himmel und spiegelt sich in der Lagune. Ich treibe schwerelos durch das erfrischende Wasser und lausche den Wellen, die sanft ans Ufer schwappen und muss mich kneifen: JA, das ist real!

Später schlafe ich wie ein Murmeltier in dem riesigen, bequemen Bett, bin aber bereits um 05:00 Uhr wieder wach. Jetlag. Macht nichts – so bin ich schon kurz nach Sonnenaufgang beim Frühstück und schlemme Croissants, Baguette und süße Früchte.

Ach, es ist wirklich schön hier und gerne würde ich noch länger bleiben – aber pünktlich um 08:00 Uhr heißt es  Nānā! – Tschüß Tahiti! In einer kleinen Propellermaschine gehts in 45 Minuten nach Bora Bora.

Beim Landeanflug auf die vorgelagerte kleine Flughafeninsel Motu Mute präsentiert sich das Riff mit seinen Korallenbänken bereits in voller Pracht…

…aber der Anblick der türkisgrünen Lagune nach der Landung ist einfach atemberaubend! Und bei der Überfahrt mit dem Linienboot nach Vaitape auf der Hauptinsel Bora Bora muss ich mich wieder kneifen: JA, das ist real! 

Wieder hat die Reederei ein Traumhotel gebucht: Das Maitai-Hotel im Südosten der Insel. Einen ganzen Tag lang kann ich hier die Seele baumeln lassen, denn die Arbeit auf der MS Marina beginnt erst morgen Mittag.

Der Blick vom Balkon meines Zimmers über die Lagune auf das Motu Piti, eine private Hotelinsel (Sofitel) ist der Hammer. Und auch hier ist die seidige Luft erfüllt von Blütenduft, in den sich der zarter Geruch des Ozeans mischt.

Noch einmal muss ich mich kneifen: JA, es ist real! Ich bin wirklich in Bora Bora – an einem meiner absoluten Sehnsuchtsorte, seit ich vor 15 Jahren zum ersten Mal hier war, damals an Bord der MS Astor. Ich glaube, wenn man ein Mal den schier unbeschreiblichen Zauber der Südsee erlebt hat, lässt er einen nicht wieder los und erfüllt die Seele mit schmerzlich-süßer Sehnsucht.

Neben der faszinierenden Intensität der Farben der Natur und ihrer aromatischen Düfte ist es wohl die unglaubliche Ruhe hier „am Ende der Welt“, die sich sofort wohltuend im eigenen Geist und Körper ausbreitet.

Auf der ganzen 9 x 5 Kilometer kleinen Insel leben nur knapp 11.000 Menschen, davon fast die Hälfte im Hauptstädtchen Vaitape. Die 32 Kilometer lange, befestigte Ringstraße verbindet die Siedlungen der Küste, während das Landesinnere weitgehend unerschlossen und nur teilweise mit Geländefahrzeugen zugänglich ist.

Was für ein herrliches Erlebnis, mit dem Fahrrad (kann für ca. 10$ pro Tag in Vaitape gemietet werden) von der Hauptstadt zum Matira Beach – dem einzigen öffentlichen, aber sicher auch schönsten Strand von Bora Bora – zu radeln, die farbenprächtige Lagune und die bergigen Wahrzeichen der Insel, Mont Otemanu (727 Meter) und Mont Pahia (661 Meter) immer im Blick. Für die sieben Kilometer lange Strecke brauche ich fast eine Stunde, nicht etwa nur, weil mein Drahtesel über nur einen Gang verfügt und deshalb zum eher gemütlichen Fahren zwingt, sondern weil ich alle paar Meter absteigen muss, um die traumhafte Kulisse als bildliche Erinnerung festzuhalten.

Die inspirierende Radtour hat mich richtig hungrig gemacht, sodass ich erst einmal einen kleinen „Boxenstopp“ am urigen Snack Matira einlege. Seit mehr als 20 Jahren lädt der kleine Strandkiosk hungrige Gäste an seine einfachen Holztische ein. Es gibt internationale Gerichte wie Burger, Pizza und Sandwiches, aber meinen Appetit stille ich ausschließlich mit einer köstlichen lokalen Spezialität: Poisson Cru – frisch geangelter Thunfisch, kurz in Limettensaft gebeizt und mit Kokosmilch, Zwiebel, Gurke und Tomate serviert (für ca. 10$). Hmmm, so frisch, aromatisch und belebend. Dazu ein eisgekühltes tahitianisches Hinano-Bier und der Moment ist perfekt. 

Obwohl – für das i-Tüpfelchen an Perfektion sorgt beim Besuch dieses kleinen Lokals, das bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebt ist, erst dieser Ausblick:

Nach dem leckeren Lunch überlege ich, entweder im Schatten einer Palme eine entspannende Siesta einzulegen oder mich bei einem Strandspaziergang der Farbenpracht der Lagune hinzugeben. Ich entscheide mich für letzteres 🙂

Matira Beach ist ein weißes, feinsandiges Strandjuwel, das sich über zwei Kilometer entlang der Südspitze Bora Boras erstreckt. Das glasklare Wasser ist meist spiegelglatt, denn das vorgelagerte Riff hält die Brandung im Zaum. Je nach Tageszeit, Licht und Bewölkung schimmert das Meer in den schönste Grün-, Blau- und Türkistönen. Kein Wunder, dass Matira auch für Condé Nast in die Top 20 der schönsten Strände der Welt gehört.

Große Hotels oder Resorts gibt es hier nicht, durch nichts wird die Beschaulichkeit gestört und zu keiner Zeit habe ich den Strand je überlaufen erlebt, selbst dann nicht, die MS Marina mit rund 1200 Gästen und 800 Crewmitgliedern vor Bora Bora auf Reede liegt.

Neben dem Snack Matira finde ich noch einen weiteren Lieblings-Gourmettempel direkt am Strand, das recht schicke und entsprechend hochpreisigere Matira Beach Restaurant. Heute gönne ich mir hier nur einen Verdauungs-Espresso, aber beim nächsten Mal wird es exquisites Sushi geben.

Als ich am Abend ins Hotel zurück komme, schenkt mir der Concierge zwei hübsche polynesische Muschelketten – als Zeichen der Gastfreundschaft. Ich lege sie sofort an und immer wenn ich die trage, zusammen mit dem mit Muscheln verzierten Kopfschmuck. den ich später auf dem Markt in Vaitape finde, fühle ich mich ein bisschen wie eine Südseeprinzessin. Es ist ein pures Glücksgefühl, das mich zwei Monate lang begleiten wird und allein durch die Erinnerung wieder lebendig wird.

Am nächsten Morgen werde ich schon früh abgeholt. Die MS Marina liegt vor Vaitape auf Reede und wird für vier Monate mein Zuhause, sowie Arbeits- und Lebensmittelpunkt sein. Aufgeregt bin ich und voller Vorfreude, als ich das Schiff schon von weitem sehe. Es wird eine unvergessliche Zeit voller denkwürdiger Momente und sagenhafter Naturschönheit fernab jeglicher Zivilisation und unzähligen Begegnungen mit wunderbaren, freundlichen Menschen.

Und Eins steht fest: Ein Stück meines Herzens ist in der Südsee geblieben und die Südsee für immer in meinem Herzen – und die Sehnsucht nach diesem paradiesischen Fleckchen Erde wird nie erlöschen…

 

Du findest den Artikel toll? Dann teile ihn gerne, ich freue mich darüber. Wenn Du keinen neuen BlogBeitrag mehr verpassen möchtest, abonniere einfach das Reisejunkie-Magazin über RSS-Feed.

Fotos: (c) Ines Laufer

More from Reisejunkie Ines

Mauritius – eine Insel voller Lieblingsplätze

Meine erste Reise nach Mauritius liegt schon über zehn Jahre zurück. Damals...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.