Kleines Hotel, großes Herz: Patatran Village auf La Digue

Wie in meinem ersten Artikel über La Digue versprochen, widme ich nun dem Patatran Village einen eigenen Artikel. Zehn Tage lang war dieses schnuckelige 30-Zimmer-Hotel ganz im Norden der Insel mein Zuhause. Ach, ich hätte länger bleiben wollen. Vieeeel länger 🙂

Nur rund 10 Minuten dauert die Fahrt in einem der – an einer Hand abzählbaren – Taxis vom Hafen der kleinen Hafenstadt (und einzigen Ortschaft auf La Digue) La Passe zum Patatran Village.

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Es geht vorbei an dem stets mit unzähligen frischen, bunten Blumen geschmückten, einzigen Friedhof der Insel, den die Abendsonne in mystisches Licht taucht. In seiner morbiden Schönheit ruft er mir die Endlichkeit des Lebens in Erinnerung und die Wertschätzung, wie kostbar jeder einzelne Moment doch ist und wie wichtig es ist, das Leben zu genießen. Und zwar hier und jetzt!

Nur wenige hundert Meter weiter führt der Weg entlang der wunderschönen Anse Severe, die ich für ihr herrlich seichtes Wasser und den wunderbar kühlenden Schatten am Morgen und die kitschig-romantischen Sonnenuntergänge am Abend lieben werde.

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Endlich bin ich da. Meinen mega-schweren Koffer-Trolley (dank Vakuum-Beutel-Pack-Technik – bitte nicht nachmachen – bringt er es auf stramme 27,5 Kilo) lass’ich vor der Hoteltür stehen und begebe mich für den Check-In an die Rezeption. Empfangen werde ich von einer warmen Atmosphäre und Ruhe. Außer mir und der netten Rezeptionistin ist niemand da. Bei dem leckeren Fruchtcocktail, der mir gereicht wird, geht das Ausfüllen des Anmeldeformulars noch lockerer von der Hand. Die hübsche zierliche Rezeptionistin, die – wie ich später erfahre – aus Madagaskar stammt und für zwei Jahre im Patatran Villa arbeiten wird, ist plötzlich verschwunden und es dauert mindestens 20 Minuten, bis sie wieder auftaucht und mir freundlich lächelnd den Zimmerschlüssel in die Hand drückt. „Ihr Zimmer heißt Koket“ sagt sie „bitte folgen Sie mir, wir müssen ein paar Stufen steigen, denn es ist oben am Hang.“ „Stufen steigen – mit dem Koffer-Monster“ denke ich. Nö, geht nicht. „Oh, ich fürchte, ich brauche etwas Hilfe mit dem Koffer“ sage ich zu ihr. „Kein Problem, der Koffer ist bereits oben“ sagt sie. Und ich so: „Wie jetzt? Wie ist der denn da hoch gekommen“? Und sie antwortet lächelnd: „Ich habe ihn hoch getragen“. Mir fällt die Kinnlade runter. Nein! Echt? Ohhh! Deshalb also war sie so lange weg. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich es niemals zugelassen und hätte mir lieber den Arm ausgerenkt als sie das schwere Ding schleppen zu lassen. Mit umso mehr Bewunderung folge ich ihr und krame nach einem üppigen Trinkgeld.

Etwa 70 Treppenstufen steigen wir hinauf zu meinem Zimmer „Koket“. Im Patatran Village haben die Zimmern keine Nummern sondern Namen. Irgendwie sympatisch 🙂 „Koket“ ist eines der beiden Honeymoon-Superior-Zimmer. Ja, irgendwie ist es lustig, dass ich gefühlt die einzige Allein-Reisende im ganzen Hotel bin (schließlich sind die Seychellen / La Digue ein echtes Honeymoon-Paradies) und ausgerechnet in einem Honeymoon-Zimmer lande. Großzügig ist es mit einem riesigen, kunstvoll verzierten Bett in der Mitte.

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Ich lass’mich rücklings in die weißen Kissen fallen und muss lauthals lachen, denn es wird sofort klar, dass es kaum möglich sein dürfte, irgendwelche „Honyemoon-Aktivitäten“ in diesem Bett zu vollbringen, ohne die halbe Nachbarschaft aufzuwecken, so laut knarrt es bei der kleinsten Bewegung. Stört mich aber nicht. Hier werde ich schlafen wie ein Murmeltier 🙂

Vom Bett aus geht der Blick über den Balkon, weit über die Anse Patates zu den Inseln Grande Soeur und Petite Soeur. Ich schiebe die bodentief verglaste Balkontür auf und lass’den wunderbaren Ausblick auf mich wirken. Die Sonne ist schon untergegangen aber der Himmel widersetzt ich noch der Schwärze der Nacht. Ein Flughund lässt sich zum Dinner im nahe stehenden Mangobaum nieder. Ich werde ihn jeden Tag pünktlich zum Sonnenuntergang beobachten können. Außer der gleichmäßig anrollenden Brandung ist es absolut still.

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Jetzt schnell den Koffer auspacken. Der riesige Kleiderschrank steht im Badezimmer, das perfekt ausgestattet ist für Paare: Zwei Waschbecken. Eine große Duschkabine mit zwei Duschen – eine links, eine rechts 🙂 Ich habe vorher noch nie einen Kleiderschrank im Badezimmer gesehen – aber es ist wirklich praktisch, denn nach dem Duschen muss ich nicht das Zimmer wechseln, um mich anzuziehen.

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Nach der anstrengenden Auspack-Session freue ich mich auf das Abendessen. Ich habe Halbpension gebucht, d.h. Frühstück und Dinner gibts im Hotel. Wenn ich zwischendurch Hunger bekomme, kaufe ich mir etwas Obst oder eine Kleinigkeit bei einem der guten Take-Aways in La Passe. Der Vorteil ist, niemals Essbares im Hotelzimmer zu haben, das Ameisen und andere Insekten anziehen könnte. Es sind eben die Tropen.

Das Restaurant des Patatran Village befindet sich unmittelbar vor dem Hauptgebäude des Hotels, mit Blick auf das Meer und den hübschen Pool direkt vor dem Restaurant. Es ist von drei Seiten offen, sodass die leichte Meeresbrise ungehindert den Raum erfüllen kann. Kerzen auf den Tischen sorgen für eine kuschelige Atmosphäre. Ich bin so gespannt auf das Essen! Denn nachdem ich das Hotel gebucht hatte, las ich in etlichen Reviews Beschwerden über die Küche – genug, um etwas besorgt zu sein, denn gutes Essen ist das A und O auf Reisen, oder?

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Zu meiner großen Erleichterung und Freude erfüllen Küchenchef Upul und sein Team jeden Tag aufs Neue meine persönlichen Kritierien für richtig gutes Essen, d.h. die Speisen sind

  • Frisch. Egal ob Obst, Gemüse, Salate oder der fangfrische Fisch, der à la Minute gegrillt wird – mehr Frische geht hier nicht!
  • Abwechslungsreich. Am Abend stehen abwechselnd ein Themen-Buffet oder 3-Gänge-Menüs auf dem Programm. Mal Fisch, Mal Fleisch und immer auch vegetarische Varianten. Mein Favorit wird das creolische Grill-Buffet mit sechs verschiedenen Salaten – einer leckerer als der andere – köstlichen Chutneys und der herrlich fruchtigen Sauce Creole, Thunfisch und Red Snapper vom Grill sowie Fleisch-Spießen, kleinen Steaks und mehreren Curry-Gerichten. Ich probiere alles und bin begeistert, denn es ist
  • Wunderbar gewürzt. Nichts ist frustrierender als fades, lieblos gewürztes Essen – oder Gerichte, die alle gleich schmecken auch wenn sie andere Namen haben. Doch hier bin ich begeistert von den intensiven Aromen und völlig unterschiedlichen Geschmackserlebnissen. Besonders der Red Snapper in Safransauce erreicht geschmackliches Sterne-Niveau.

Auch das Frühstücksbuffet bietet alles, was das Herz begehrt – über verschiedenes Obst und Obstsalat, Joghurt, Cerealien, Muffins und Kuchen, Toast, selbstgemachte Konfitüren, Honig, leckeren Käse und Rohkost bis zu warmen Gerichten wie Omelettes und Pfannkuchen. Besonders lustig finde ich die ganze Bananenstaude, die jeden Morgen am Buffet aufgehängt wird zum „Selber-Pflücken“.

Ein ausgiebiges Frühstück bekommen jeden Morgen auch die Bewohner des Hotelgartens – niedliche Sperbertäubchen und hübsche rote Kardinalvögel.

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An den meisten Tagen bin ich von morgens bis abends mit dem Fahrrad auf der Insel unterwegs zu meinen Lieblingsstränden. Doch die Sonnenauf- und Untergänge genieße ich immer gerne von der kleinen Liege-Plattform am Pool des Hotels aus. Und wenn einmal verstärkt Regenschauer angesagt sind, bleibe ich schon mal hier und mache es mir auf einem der breiten Daybeds gemütlich, die unter überdachten Cabanas stehen, mit Blick auf die bezaubernde Anse Patates. So gemütlich, wenn der warme Tropen-Regen auf das Palmendach prasselt und ich – schön im Trockenen – lesen oder Musik hören kann 🙂

Das Schönste am Patatran Village aber ist die Warmherzigkeit und Freundlichkeit der internationalen „Crew“, die u.a. aus Madagascar, Kenia, Indien und sogar Nepal kommt. Lindy, die gute Seele des Hauses an der Rezeption, spricht jeden Gast mit Namen an. Tara und Said aus dem Restaurant werden richtige Freunde und der Abschied fällt richtig schwer.

Und so weiß ich, dass ich nicht das letzte Mal hier gewesen bin. Dem nächsten Aufenthalt fiebere ich jedenfalls schon entgegen.

Info

Für meinen 10-tägigen Aufenthalt -den ich recht spät gebucht habe – habe ich 1.290,-€ bezahlt (Einzelbelegung, inkl. Halbpension).

Gebucht werden kann das Hotel z.B. pauschal über FTI-Touristik oder über den auf die Seychellen spezialisierten Reiseanbieter Seyvillas.

Fotos: (c) Ines Laufer

 

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