Tortola, Anguilla & St. Martin: Karibische Lieblingsinseln vor und nach den Hurricanes 2017

„Irma“ und „Maria“. Zwei harmlose Namen, die für die Bewohner vieler karibischer Inseln sicher noch lange das Synonym für Chaos und Zerstörung sein werden.  Die Rede ist von den beiden Hurricanes der Kategorie fünf – und damit der höchsten Kategorie – die sich in diesem Jahr über dem Atlantik gebildet hatten und in der Karibik und im Süden der USA auf Land trafen. 

„Irma“ – der erste Wirbelsturm, der 37 Stunden lang eine Windgeschwindigkeit von 295 km/h erreichte – fegte mit voller Wucht u.a. über Antigua und Barbuda, St. Martin, Anguilla, die Britischen und Amerikanischen Jungferninseln, Puerto Rico, Kuba, Florida und insbesondere die Keys, während „Maria“ besonders hart die Inseln Dominca, Martinique, Guadeloupe und ebenfalls Puerto Rico traf.

„Irma“ forderte insgesamt 134 Todesopfer, machte die Insel Barbuda komplett unbewohnbar und richtete allein auf Puerto Rico einen Schaden von 95 Milliarden Dollar an, was dem Anderthalbfachen des Bruttoinlandprodukts der Insel entspricht. Durch „Maria“ starben 51 Menschen und auf Dominca wurde durch den Hurrikan 90% der Infrastruktur zerstört oder beschädigt.

Zu den am meisten betroffenen Inseln gehören einige meiner Lieblingsdestinationen, die ich erst Anfang dieses Jahres bereist hatte. Fassungslos, traurig und entsetzt sah ich, dass Orte und Hotels, die ich wenige Monate zuvor besucht hatte, schwer beschädigt oder zerstört wurden.

Individualtourismus, Segel- und Yachtreisen sowie Kreuzfahrtschiffe sind die wichtigsten Einnahmequellen vieler Karibikinseln. Es trifft sie also doppelt hart, wenn die Touristen wegbleiben, weil die entsprechende Infrastruktur durch die Wirbelstürme ruiniert wurde. Doch die Inselbewohner lassen sich nicht unterkriegen und gehen mit Elan an den Wiederaufbau. 

Nachfolgend nehme ich Dich mit auf eine virtuelle Reise zu einigen meiner Lieblingsinseln, zeige Dir, wie es dort vor den Stürmen und direkt danach aussah und wie heute – drei Monate später – der Stand der Dinge ist.

1. Saint Martin

Fast eine Woche habe ich Anfang des Jahres im französischen Teil der Insel verbracht, deren holländischer Teil Sint Maarten heißt und berühmt ist für den Strand (Maho Beach) direkt am Flughafen. Auch das kleinste Flugzeug, das hier landet, ist ein Ergeignis, denn es fliegt nur wenige Meter über die Köpfe der Badegäste hinweg. 

Wie spektakulär es aussieht, wenn ein KLM-Jumbo in Sint Maarten landet, kannst Du hier sehen.

„Irma“ hinterließ ein Trümmerfeld: Maho Beach wurde „plattgemacht“, die Terminals des Flughafens ebenso. Außer für Militärmaschinen und Versorgungsflugzeuge musste der Princess Juliana Flughafen (SXM) fast einen Monat lang geschlossen werden. Erst seit dem 10. Oktober hat er den Flugbetrieb auch für Touristen wieder aufgenommen.

Da ich den französischen Teil der Insel etwas charmanter finde, war ich überglücklich, in der Nähe des Hauptstädtchens Marigot ein tolles, bezahlbares Appartment über airbnb gefunden zu haben – in der Residenz Anse des Sables, direkt am Sandstrand der Bucht von Marigot.

Den Strand teilt sich die Residenz mit dem Beach Hotel, einem entzückenden Boutiquehotel, dessen Restaurant und Bar auch Gäste willkommen heißt, die nicht im Hotel wohnen.

Besonders hübsch fand ich die Lobby mit dem großen Atrium, das von den Hotelfluren in Form von Galerien gesäumt wurde. 

Nach der zerstörerischen Passage von „Irma“ – die 70% aller Häuser auf Saint Martin beschädigt oder zerstört zurückließ – sah es auf der Rückseite der Residenz so aus:

Dennoch gehört die Appartmentanlage zu den wenigen Gebäuden, die den Sturm fast unbeschadet überstanden haben. Estelle, meine super-herzliche airbnb-Gastgeberin bestätigte mir jetzt, dass die Appartments in Ordnung sind und vermietet werden – allerdings nicht an Touristen, denn Wohnraum ist knapp, sodass erst einmal Einheimische versorgt werden. Ab Juni 2018 wird es aber wieder möglich sein, Estelles Feriennest über airbnb zu buchen. Hier der Link.

Das Erdgeschoss des Beach Hotels wurde dagegen während des Hurricanes komplett geflutet, die Wellen schlugen sogar bis zur Galerie im ersten Stock, wie hier eindrücklich zu sehen ist:

Zwei Monate später sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange – aber das Ausmaß der Verwüstung ist noch deutlich sichtbar: 

Erst in einem Jahr – im Oktober 2018 – soll das Haus wiedereröffnet werden, wie die Caribbean Hotel and Tourist Association in ihren regelmäßigen Updates mitteilt.

Ein weiteres Hotel, in dem ich nur wenige Kilometer entfernt für eine Nacht logiert hatte – das Mercure Saint Martin Marina & Spa – hat es noch schlimmer getroffen, dabei liegt es gar nicht am offenen Meer sondern am Ufer einer riesigen, wunderschönen Lagune, die Segelbooten und Yachten einen sicheren Hafen bot. 

Von dem stylischen 150-Zimmer-Hotel ist leider nicht viel übrig geblieben. „Irma“ hat sich hier richtig ausgetobt. Die zahlreichen Palmen im Garten des Hotels und am Strand wurden regelrecht geköpft und das Haus auf unbestimmte Zeit unbewohnbar gemacht. 

So steht bis heute nicht fest, ob und wann das Hotel wieder eröffnet wird – aber ich hoffe und wünsche sehr, dass in absehbarer Zeit wieder Gäste hier einchecken werden…

2. Anguilla

Das 25 mal 5 Kilometer kleine Inselchen gehört zu den Britischen Überseegebieten, ist ausgesprochen flach – der höchste „Berg“, Crocus Hill, bringt es auf 65 Meter – und ist für Strandliebhaber eine wahre Schatzinsel. Denn viele der 33 schneeweißen, feinsandigen Strände mit einer Gesamtlänge von über 20 Kilometern dürften zu den schönsten in der ganzen Karibik zählen.

Die überwiegend exklusiven Luxushotels machen die Insel allerdings zu einem sehr hochpreisigen Reiseziel, zumindest wenn man länger hier urlauben will. 

Während meines Aufenthaltes in Saint Martin wollte ich es mir aber unter keinen Umständen entgehen lassen, Anguilla einen „Schnupperbesuch“ abzustatten. Nichts einfacher als das – denn mehrmals täglich setzt eine Fähre in nur 30 Minuten von Marigot aus nach Anguilla über.

Da ich eine besondere Schwäche habe für tolle Locations und herausragende Hotels, hatte ich mich verabredet mit Rolf Masshardt, dem Direktor eines der besten Resorts auf Anguilla – des Carimar Beach Clubs

Klein und fein ist das Resort an der traumhaften Meads Bay. 12 Villen mit insgesamt 24 Appartments mit ein oder zwei Schlafzimmern, Wohnzimmer, voll ausgestatteter Küche und Badezimmer rahmen einen gepflegten tropischen Garten. Aus jeder Tür fällt man quasi direkt an den Strand. Oh ja, hier könnte ich es problemlos ein paar Tage aushalten, auch dank der liebevollen Führung der Anlage durch Rolf Masshardt und seine Familie, die eigentlich aus der Schweiz stammt, aber Anguilla schon vor 20 Jahren zu ihrer Wahlheimat erkoren hat.

In der Nebensaison (d.h. im Sommer) gibt es die kuscheligen Villen-Appartments ab 250,- Dollar pro Nacht, in der Hauptsaison (d.h. im Winter) ab 465,- Dollar pro Nacht., z.B. über booking.com.

Ebenso wie Saint Martin wurde auch Anguilla von „Irma“ hart getroffen. Bis zu 90% der Insel hat teilweise gravierenden Schaden genommen, wie dieses Video zeigt:

Es wird lange dauern, bis die Schäden auf der gesamten Insel behoben sind. Allerdings konnte sich Anguilla auf tatkräftige Hilfe aus England verlassen. Insbesondere die Royal Marines und Royal Engineers haben sofort geholfen und dafür gesorgt, dass die Strom- und Wasserversorgung schnell wieder funktionierte.

Heute, zwei Monate nach „Irma“, bereitet sich Anguilla auf die wichtigste Zeit des Jahres vor: Die winterliche Feriensaison. Und die Insel ist bereit! Die Straßen und Strände wurden piccobello gesäubert, Telefon und Internet funktionieren, Supermärkte, Tankstellen und Banken sind geöffnet. Viele Restaurants und Hotels eröffnen nach und nach.

Das Carimar Beach Club Hotel hat den Hurricane bis auf ein paar ramponierte Türen und Fenster gut überstanden, wenngleich der hübsche Garten ziemlich lädiert hinterlassen wurde. Auch der Strand wurde einer Menge seines herrlichen Sandes beraubt. Aber die ersten Blüten zeigen sich schon wieder und der Sand wird peu à peu zurückgespült.

Ich drücke dem Carimar und allen Menschen auf Anguilla beide Daumen, dass in der Saison 2017/2018 trotz des Hurricanes viele Sonnenanbeter nach Anguilla reisen und damit mehr denn je das (Über)Leben der Insel fördern werden…

3. British Virgin Islands

An die British Virgin Islands – kurz BVIs – habe ich vom ersten Moment an mein Herz verloren. Sie zählen für mich zu den schönsten Orten überhaupt, mit einer Magie, die einzigartig ist.

Auf Tortola, der größten Insel der BVIs, verbrachte ich im Februar einen unvergesslichen Tag an der malerischen Long Bay mit dem gleichnamigen, sehr gepflegten Resort. In Gedanken hatte ich schon einen der zauberhaften Strandbungalows für den nächsten Aufenthalt reserviert. 

Dann kam Irma und hat die gesamte Insel einschließlich Long Bay übel zugerichtet – rund 80% aller Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. Der Schaden für das Long Bay Resort ist so groß, dass die Anlage bis auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben muss 🙁

In der Hauptstadt RoadTown, in der erst 2015 ein neues, modernes Kreuzfahrtterminal in Betrieb genommen wurde, sah nach dem Hurricane aus wie nach dem Armageddon.

Die üppig grüne Vegetation, die sowohl Tortola als auch die traumhafte Nachbarinsel Virgin Gorda in ein herrlich tropisches Gewand kleidete, wurde radikal entlaubt, sodass die einst idyllischen Hügel nach „Irma“ völlig gerupft aussahen und so, als sei ihnen sämtliche Farbe entzogen worden, wie hier der Levericks Bay auf Virgin Gorda.

Das acht Kilometer nordwestlich von Tortola liegende Inselchen Jost van Dyke besuchte ich im Februar zum ersten Mal und war hingerissen von der malerischen Paradiesbucht White Bay.

White Bay ist bekannt für seine coolen Beachbars, wie z.B. die Soggy Dollar Bar, wohl eine der berühmtesten Partylocations in der ganzen Karibik. Deren 1970 erfundenen RumPunsch mit dem harmlosen Namen Painkiller habe ich natürlich probiert, für äußerst süffig befunden – und dabei die umwerfende Aussicht genossen. Hmmmm…

Nachdem „Irma“ über die Insel hinweggefegt war, standen nur noch diese Überreste der Soggy Dollar Bar.

Alles kaputt! Und die stolzen Palmen wurden entwurzelt und weggeknickt wie Streichhölzer. Deshalb hat die Soggy Dollar Bar den Virgin Islands Community Fund ins Leben gerufen und sucht unter dem Slogan Adopt a Palm Tree Spender und Sponsoren, um der White Bay neue Palmen zu schenken. 

Seit Ende Oktober werden hier aber wieder die Painkiller gemixt als gäbe es kein Morgen – und obwohl das Ambiente noch recht provisorisch anmutet, feiern die Menschen die Wiedereröffnung.

Eine andere kultige Bar an der White Bay – und echter Lieblingsplatz – war Ivans Stress Free Bar, zu der auch hübsche Gästehäuser gehörten.

Auch mit diesem kleinen Stück Paradies war „Irma“ ungnädig und machte es dem Erdboden gleich.

Umso höher schlug mein Herz vor Freude, als ich jetzt erfuhr, dass auch Ivans Stress Free Bar von vielen fleißigen Händen wie Phönix aus der Asche gehoben wurde und seit Anfang November wieder Gäste empfängt – auch wenn der Wiederaufbau noch in vollem Gange ist.

Eins ist sicher: Ihre Lebensfreude, Optimismus, Stärke und Entschlossenheit konnte „Irma“ den Menschen weder auf den BVIs noch auf den anderen Karibikinseln nehmen.

Die British Virgin Islands gehen mit ihrer hoffnungsvollen Kampagne #BVIStrong als ganze Community in die Offensive. Mehrere Unternehmen, u.a. der Charteranbieter  Virgin Motor Yachts veröffentlichten bereits vor einem Monat dieses ermutigende Video, dessen starke Bilder meinen Beitrag abschließen: The BVI is Open for Business!

BVI is Open for Business

🎉 BVI is officially OPEN for BUSINESS!!! 🌊🌞🌴🍹🏝 It’s Nov 1st, and tourists and visitors are all welcome back to BVI! Check out and SHARE this amazing video showing our beautiful islands, with ALL FOOTAGE shot POST IRMA. Huge thank you to our friends Alex England, Monday Never and Aristocat Charters for their help making this incredible video! #BVIStrong 💪

Posted by Virgin Motor Yachts on Mittwoch, 1. November 2017

 

Wer Du also noch nach einem passenden Winterflucht-Ziel suchen solltest: Die karibischen Inseln erwarten Dich – auch und gerade nach „Irma“ und „Maria“. Auf der Webseite der Caribbean Hotel and Tourist Association  findest Du kontinuierliche Updates über die Fortschritte des Wiederaufbaus und der Wiedereröffnungen von Hotels, Bars und Restaurants.

 

Fotos: (c) Ines Laufer, The Points Guy, Essence, Virgin Motor Yachts, The Atlantic

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